Archiv der Kategorie: theoretisch

Zur Ausgabe «Siegerjustiz» der Rote Hilfe Zeitung

Wir dokumentieren hier das Statement von the future is unwritten (Leipzig) und Critique’n’act (Dresden) zur “Siegerjustiz”-Ausgabe der Rote Hilfe Zeitung. Die “Siegerjustiz”-Ausgabe war auch Anlass zur derzeit statt findenden Veranstaltungsreihe “Was heißt hier Siegerjustiz“, die zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den real-sozialistischen Zuständen einlädt.

Liebe Genoss*innen vom Bundesvorstand der Roten Hilfe,
liebe Genoss*innen von der Redaktion der Rote Hilfe Zeitung,

Im letzten Quartal 2016 kam die Rote Hilfe Zeitung mit dem Schwerpunktthema: «Sieger-
justiz – Verfolgung und Delegitimierung eines sozialistischen Versuchs seit 1990» heraus.
Viele Gruppen und Zusammenhänge haben dazu Stellung bezogen und Kritik geäußert.
Auch uns ist es wichtig, uns in dieser Debatte zu äußern.

Die Rote Hilfe hat uns immer begleitet, uns unterstützt, wir beziehen uns positiv auf
sie als strömungsübergreifende Organisation. Viele Genoss*innen von uns sind Mitglie-
der der RH, waren aktiv in der Roten Hilfe, teilweise auch im Bundesvorstand. Gera-
de in der Frage der Antirepression ist es wichtig, dass es eine strömungsübergreifen-
de Organisation gibt, die solidarisch an der Seite von Genoss*innen steht, die Ziel des
staatlichen Repressionsapparats werden. Gerade daher halten wir die letzte Ausgabe für
fatal, weil die Zeitungsredaktion damit massiv gegen die Statute der Roten Hilfe als strö-
mungsübergreifende Organisation verstößt und einen letztlich stalinistischen Konsens der
DDR-Betrachtung in der Roten Hilfe durchzusetzen versucht. Dagegen wenden wir uns
entschieden aus unserer politischen Position heraus. Aber auch aus unserer Vorstellung
dessen, was die Rote Hilfe ausmacht, wollen wir eine solidarische, konstruktive Kritik
leisten und so zu einer gemeinsamen Debatte einladen.

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Die braune Saat – Antisemitismus und Neonazismus in der DDR

Der Mitschnitt der Veranstaltung:

 

Mittwoch, 18. Oktober 2017 um 20 Uhr in der Kosmotique
Lesung & Diskussion des gleichnamigen Buches von und mit Harry Waibel
Veranstaltung im Rahmen der Reihe “Was heisst hier Siegerjustiz?”

Die aktuelle, rassistische Gewalt, sowie die der Nachwendejahre im Osten der Bundesrepublik ist nicht vom Himmel gefallen. Gestützt auf Unterlagen des Ministeriums für Staatsicherheit der DDR weist Harry Waibel nach, dass antisemitische Vorfälle, nationalsozialistische Verherrlichung und pogromartige Angriffe bereits vor 1989 zunahmen, die SED Führung vor diesen Phänomen jedoch die Augen verschloss.

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Betteln ist ein Recht in der Stadt (Workshop)

Workshop zu aktuellen Stadtkämpfen am Beispiel Bettellobby
im Rahmen von KRETA  Donnerstag, 12. Oktober um 19 Uhr in der Kosmotique (Martin-Luther-Str. 13)

In diesem Sommer wurde in Dresden eine Debatte über Betteln und Straßenmusik geführt. Viele riefen nach Verboten und einer Verschärfung der Polizeiverordnung.
Städtische Bettelverordnungen, in denen bestimmte Formen des Bettelns verboten werden, dienen hauptsächlich der Abschreckung und Verächtlichmachung von Bettler*innen. Sie sollen als kriminell und gewalttätig dargestellt werden. Das Betteln soll kontrolliert und erschwert werden und Stadtbild-konform zugerichtet. Kontrolle, Schikane und Verdrängung haben ein Ziel: Bettler*innen sollen möglichst ganz aus dem Stadtbild verschwinden. Bettelnde Menschen werden als Belästigung empfunden, weil sie Armut sichtbar machen.

Doch solange Armut existiert, muss Betteln ein Menschenrecht sein. Das heißt, dass Bettler*innen ein Recht auf die öffentlichen Räume in der Stadt haben. Deswegen und auch weil die Debatte mit antiromaistischen Klischees geführt worden ist, haben einige Gruppen und wir die Bettellobby Dresden gegründet. Wir wollen das Betteln als Recht in der Stadt verteidigen.

Im Workshop werden wir zuerst die Parole „Recht auf Stadt“ und die Geschichte von Stadtkämpfen kennen lernen: Widerstände gegen Gentrifizierung, Überwachung, Privatisierung und rassistische Stadtpolitik. Dann wollen wir gemeinsam anhand der Dresdner Bettel-Debatte und den Interventionen der Bettellobby diskutieren, wie heute gegen Verdrängung von Armen und gegen Armut in der Stadt gekämpft werden kann.

 

Die Stadt ist unsere Beute – Workshops im April:

Im April bieten wir wieder unseren “Die Stadt ist unsere Beute” – Workshop an:

Am 12. April um 18 Uhr im Rahmen der Kritischen Einführungstage (KRETA) in der Kosmotique:

Die Stadt ist unsere Beute
Workshop zu aktuellen Kämpfen in der Stadt

Die Stadt ist umkämpft –  Wohnen, medizinische Versorgung und der öffentliche Raum stehen nicht mehr allen zur Verfügung. Aber es gibt auch Widerstände gegen Überwachung, Gentrifizierung, Privatisierung und rassistische Stadtpolitik. Wir möchten eine kurze Geschichte der Stadt und ihres Wandels sowie ihre Migrationsgeschichte erzählen. Wir stellen euch aktuelle Stadt- und Wohnkämpfe vor und wollen diese mit euch diskutieren – von der Forderung „Stadt für alle“ bis zu den „Social Center for All“. Abschließend wollen wir planen was zu tun ist.

Am 22. April von 11 – 14 Uhr beim Antifaschistischen Jugendkongress #2 – get organized:

Die Stadt ist unsere Beute – Workshop zu „Recht auf Stadt für alle!“

Den Kämpfen um Wohnen und Stadt haben sich in den letzten Jahren immer mehr Menschen angeschlossen. Die Parole “Recht auf Stadt” ist in aller Munde. Für bezahlbare Mieten, gegen Großprojekte, für den Erhalt des Schwimmbades, gegen Aufenthaltsverbote und für ein Bleibe-recht. Doch wer hat die Idee für ein Recht auf Stadt begründet? Was genau meint es? Und
warum steht es im Widerspruch zu den bestehenden kapitalistischen Verhältnissen? In unserem Workshop wollen wir außerdem einen Blick zurück werfen – auf die lange Geschichte von Widerstand und Aktionen gegen Überwachung, Gentrifizierung, Privatisierung und rassistischer
Stadtpolitik – lange bevor sich eine “Recht auf Stadt – Bewegung” formierte. Die Kritik an menschenunwürdiger Unterbringung von Geflüchteten in Notunterkünften führte 2015 zur Erweiterung von “Recht auf Stadt” zu “Recht auf Stadt für alle”. Im zweiten Teil des Workshops
diskutieren wir mit Euch “Ist das Wohnen? Die Unterbringung Geflüchteter zwischen institutionellem Rassismus und Disziplinierung”. Im dritten Teil stellen wir Euch aktuelle Stadt- und Wohnkämpfe vor.

“Sonderweg Sachsen”? Sächsische Ökonomie und Gesellschaft

Vortrag und Diskussion mit Peter Korig

Donnerstag, 20. Oktober um 20 Uhr in der Kosmotique (Martin-Luther-Str. 13)

In der immer wiederkehrenden Debatte über die »sächsischen Verhältnisse« lohnt es sich, den Blick auf die gesellschaftlichen und sozialen Transformationen in den Ländern Mittelosteuropas zu richten. In mancher Hinsicht hat Sachsen mit Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei mehr gemein als mit Hessen und Niedersachsen. Denn bei allen regionalen Spezifika, wie dem Dresdner Kult um Luftangriff und Frauenkirche: Es gibt keinen »sächsischen Sonderweg«.

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Der Tschekist

ein Film von Alexander Rogozhkin

Im Rahmen der Diskussionsreihe In-die-Kommunismus?
Mittwoch, 6. Mai 2015, 20:00 Uhr, kosmotique (Martin-Luther-Str. 13)
Film & Diskussion

Den Einleitungstext zu unserer Veranstaltung findet ihr hier.

Der Tschekist Andrej Srubow ist ein führender Offizier der neu geschaffenen Tscheka im revolutionären Russland Anfang der 20er Jahre. Mit der neuen Organisation verbreitet er Angst und Schrecken unter der Bevölkerung einer russischen Kleinstadt. Auf der Suche nach echten oder vermeintlichen Andersdenkenden – Aristokraten, christlichen Würdenträgern, Juden, Intellektuellen – werden fast wahllos Männer, Frauen und Kinder verhaftet, binnen kürzester Zeit verhört, abgeurteilt und schliesslich erschossen. Srubow wird als distanzierter und kalter, aber nachdenklicher Charakter gezeigt. Von früheren Freunden wird er gemieden, seine Familie wendet sich von ihm ab. Im Verlauf des Geschehen verliert er nach und nach den Verstand.
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Der Tschekist

!!! Die Veranstaltung wird auf unbekannt verschoben !!!
Die jüngsten Ereignisse, der gewaltsame Tod von Khaled Idris Bahray, machen es uns unmöglich am heutigen Abend die Veranstaltung durchzuführen. Wir bitten um Verständnis und werden zu gegebener Zeit einen neuen Termin kundtun.

ein Film von Alexander Rogozhkin

Im Rahmen der Diskussionsreihe In-die-Kommunismus?
Mittwoch, 14. Januar 2015, 20:30 Uhr, kosmotique (Martin-Luther-Str. 13)
Film & Diskussion

Der Tschekist Andrej Srubow ist ein führender Offizier der neu geschaffenen Tscheka im revolutionären Russland Anfang der 20er Jahre. Mit der neuen Organisation verbreitet er Angst und Schrecken unter der Bevölkerung einer russischen Kleinstadt. Auf der Suche nach echten oder vermeintlichen Andersdenkenden – Aristokraten, christlichen Würdenträgern, Juden, Intellektuellen – werden fast wahllos Männer, Frauen und Kinder verhaftet, binnen kürzester Zeit verhört, abgeurteilt und schliesslich erschossen. Srubow wird als distanzierter und kalter, aber nachdenklicher Charakter gezeigt. Von früheren Freunden wird er gemieden, seine Familie wendet sich von ihm ab. Im Verlauf des Geschehen verliert er nach und nach den Verstand.

Der 1992 erschienene Film betrachtete als erster postsowjetischer Film schonungslos den roten Terror der Bolsheviki. Er basiert auf dem 1923 verfassten, aber erst 1989 veröffentlichten Roman “Splitter” von Vladimir Yakovlevich Zubtsov – selbst ein überzeugter
Revolutionär und Bolshevik – der den Stoff für sein Buch aus Gesprächen mit Angehörigen der Tscheka sammelte.

Deutscher Titel: Der Tschekist
Originaltitel: Чекист Le tchékiste
Regie: Alexander Rogoschkin
Erscheinungsjahr: 1992
Länge: 90 min
Sprache: Russisches Original mit deutschen Untertiteln

über wiesen

ein Film der AG Geschichte im Treibhaus Döbeln & Freund_innen

Im Rahmen der Diskussionsreihe In-die-Kommunismus? der gruppe polar
Sonntag, 21. Dezember 2014, 20 Uhr, kosmotique (Martin-Luther-Str. 13)
Film & Diskussion in Anwesenheit einiger Film-Macher_innen

Diejenigen, die nicht teilnahmen und von der Mehrheit als unverantwortlich bezeichnet wurden, waren die einzigen, die es wagten, selber zu urteilen.

über wiesen beschäftigt sich mit der Bedeutung nationalsozialistischer Täter_innenschaft in der Gegenwart. Was fand damals in der Kleinstadt Döbeln statt? Was zeugt heute von der Tat? Was ist Schuld und Entschuldung? Was meint sozialistische Entnazifizierung in einer post-nationalsozialistischen Gesellschaft? Szenisches Spiel analysiert die Strukturen der Shoah und diskutiert Überlegungen der Philosophin Hannah Arendt.

Regie/Drehbuch/Schnitt: Leoni Weyreter
Kamera/Schnitt: Franziska Wenzel
Ton: Martin G. Schroeder, Ulrike Schwerdtner
Produktion: Kathrin Krahl
Darsteller_innen/Sprecher_innen: AG Geschichte & Freund_innen
Zitate: Hannah Arendt, Philosophin
Protokolle Entnazifizierungskomission: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig
Dank an: Gloria, Jörn Ellger, Jörg Eichler
Projekt: Ortsbegehung – Stadtrecherchen zu Shoah und Täterschaft
Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Zur Diskussionsreihe In-die-Kommunismus?1: Dass der Kapitalismus mit seiner permanenten Produktion von Elend und Unglück auf diesem Planeten keine Zukunft haben kann, oder aber die Welt als solche ohne Zukunft sein wird, liegt auf der Hand. Allerdings bestehen derzeit wenige relevante, kollektiv verhandelte, linke Vorstellungen zur Überwindung des Kapitalismus. Wenn wir uns nach dem Wie der Überwindung des Kapitalismus fragen, wissen wir zugleich, dass kommunistische oder realsozialistische Versuche, die Gesellschaft grundlegend umzugestalten – sofern sie nicht niedergeschlagen wurden – in autoritären Systemen mündeten. Daher wollen wir uns an einer Auseinandersetzung mit Stalinismus und Realsozialismus aus linksradikaler Perspektive beteiligen. Wir wollen nicht vom Kommunismus reden und dabei von den Verbrechen des Realsozialismus und Stalinismus schweigen.

1 Angelehnt an das sächsische >>in die Pilze<>Independent<>die Kommunismus<<, meine Freundin heisst Kommunismus

Meine Mutti ist Abteilungsleiter, alle Tage steht sie ihren Mann?

Das Frauenbild in der DDR

Im Rahmen der Diskussionsreihe In die Kommunismus?
Sonntag, 13. April 2014, um 14 Uhr in der Kosmotique
mit Sabrina Zachanassian, Meine Frauengruppe Leipzig

Befragt man die ältere Generation in Ostdeutschland, scheint es die Frauenfrage im Sozialismus nicht gegeben zu haben: Frauen arbeiteten, ließen sich scheiden und wurden Bürgermeister, sie waren – im Guten wie im Schlechten – Genossen unter Genossen, von feministischen Sperenzchen weit entfernt. Bald schon schrieb sich der sozialistische Staat die erfolgreiche Emanzipation der Frau auf die roten Fahnen und demonstrierte so seine Überlegenheit gegenüber dem Klassenfeind. Diesem Mythos der abgeschlossenen Emanzipation soll in der Veranstaltung auf den Grund gegangen werden.
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GESTERN MORGEN

Eröffnungsrede zur Auftaktveranstaltung der Diskussionsreihe
“In die Kommunismus?” für Wege aus der Sprachlosigkeit.

Herzlich willkommen zu unserer ersten Veranstaltung in der Reihe “In die Kommunismus? Eine Diskussionsreihe für Wege aus der Sprachlosigkeit.” Wir wollen uns heute und zukünftig mit der Frage auseinandersetzen, was nach dem Kapitalismus kommen kann und wie wir dahin kommen. Dass der Kapitalismus mit seiner permanenten Produktion von Elend und Unglück auf diesem Planeten keine Zukunft haben kann oder aber die Welt als solches ohne Zukunft sein wird, liegt auf der Hand. Allerdings besteht derzeit keine relevante kollektiv verhandelte linke Vorstellung zur Überwindung des Kapitalismus. Aber es gibt sehr wohl verschiedene Ansätze, Überlegungen, Modelle, die wir im Rahmen der Reihe anschauen und diskutieren wollen.
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