Flexen – Flâneusen* schreiben Städte

Lesung feministischer Literatur an verschiedenen Orten der Stadt
06. Juni, 16-19 Uhr (im Rahmen des Internationalismus Festival°2 zu feministischen Kämpfen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – nah und fern)
Treffpunkt: Springbrunnen über dem Alaunpark (Tannenstraße)
Bitte haltet Abstand und tragt eine Maske. Die Veranstaltung findet statt, soweit pandemiebedingt möglich und zulässig. Achtet also bitte auf kurzfristige Hinweise hier und auf Twitter.

Wir laden Euch ein mit uns zu „trödeln, herumzulungern, ziellos durch die Stadt zu streifen“ (Neha Singh)1 und Geschichten aus „Flexen – Flâneusen* schreiben Städte“ zu hören. Wir laden Euch ein, zu einem literarischen Streifzug durch die Stadt, bei dem die Perspektiven von Frauen, Queers und People of Colour im Mittelpunkt stehen werden.

Die Kämpfe für ein Recht auf Stadt sind auch feministische Kämpfe. Der Mangel an leistbarem Wohnraum ist auch ein Problem für alle Menschen, die partnerschaftlicher oder häuslicher Gewalt entfliehen wollen. Es mangelt an Plätzen in Frauenhäusern nicht nur weil es ohnehin zu wenige gibt, sondern auch weil Monate vergehen können, bis die Betroffenen eine Wohnung gefunden haben und somit ihr Platz frei wird. Frauen, Queers und People of Colour sind häufiger auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, obwohl für sie dort eine Sicherheit nicht selbstverständlich ist. Für viele FLINTA2 sind verbale sexuelle Belästigung oder die Angst davor im Dunkeln unterwegs zu sein, alltäglich. Erst im März machten anlässlich der Entführung und Ermordung von Sarah Everard Betroffene unter dem hashtag #TextMeWhenYouGetHome (Sag Bescheid wenn Du zu Hause angekommen bist) auf ihre Gewalterfahrungen und Diskriminierungen im öffentlichen Raum aufmerksam.

Wir haben festgestellt, dass Frauen einen tagtäglichen Kampf mit der Stadt aufnehmen3 – so Özlem Özgül Dündar – eine der Herausgeber*innen der Anthologie „Flexen“, die im Verbrecherverlag erschienen ist. In Abgrenzung zum sorgenfreien Spazierengehen des männlichen Flaneurs handeln daher die Geschichten der Autor*innen von Diskriminierung, Bedrohung aber auch von Aneignung und Ermächtigung. Und darum muss es gehen: Um Sichtbarkeit und um die Eroberung der Städte für alle – auf den Straßen, den Plätze sollen alle sein können, frei von Belästigung und Diskriminierung. Denn wir wollen die Stadt nicht durcheilen, sondern uns in ihr mit ihr kritisch auseinandersetzen und sie gestalten. Zu diesem Flanieren und Lauschen wollen wir euch einladen.

Die Lesung ist eine Veranstaltung unserer Reihe zum Recht auf Stadt in diesem Jahr. Wir sind seit einigen Jahren Teil der Kämpfe besonders um Wohnen und Wohnungslosigkeit in Dresden. Organisiert sind wir dazu im Bündnis „Mietenwahnsinn stoppen!“ Dresden sowie in der BettelLobby Dresden. In diesem Jahr wollen wir uns dem Recht auf Stadt auch theoretisch nähern. Dafür organisieren wir Veranstaltungen wie Vorträge, Lesespaziergänge und Comiclesungen rund um Fragen der solidarischen Stadt.

Nächste Veranstaltung: Kämpfe um ein Recht auf Stadt! Aber welches Recht? Und welche Stadt? am 20. Mai

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen statt.

1 siehe den Beitrag „Wie man eine Stadt erobert“ von Julia Lauter
2 Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen sowie agender
3 https://www.deutschlandfunk.de/kultur-des-flanierens-eine-weibliche-flaneurin-gibt-es-nicht.807.de.html?dram:article_id=451042