putzi spendenlauf

Wer nicht wohnt, muss besetzen

Für den Putzi-Spendenlauf haben sich die Tiere einen passenden Tag ausgewählt – denn heute veranstaltet das Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn einen bundesweiten Aktionstag unter dem Motto: „Shut down Mietenwahnsinn – Sicheres Zuhause für alle!“ Unser Redebeitrag zum „Putzi-Spendenlauf“ zum Hören und Lesen

 

Aus dem Aufruf: Seit Jahren erleben wir in unseren Städten eine Mieten- und Wohnungskrise. Die “Wohnungs- und Immobilienmärkte” sind auf die Profitinteressen von Investor*innen, Vermieter*innen und Eigentümer*innen ausgerichtet. Sie versagen schon lange dabei, ausreichend bezahlbare Wohnungen, Gewerberäume, soziale und kulturelle Räume bereitzustellen. Die COVID-19-Pandemie verschärft diese Krise dramatisch. Doch selbst jetzt müssen noch Menschen auf der Straße oder in Sammelunterkünften leben.

Spätestens seit der letzten Finanzkrise hat die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Gewinne über Gewinne aufgehäuft. Die Rechnung haben wir Mieter*innen bezahlt. Auch jetzt sollen die Mieten weiter fließen, selbst wenn unsere Einkommen eingebrochen sind. Bis Ende Juni gibt es zwar einen coronabedingten Kündigungs-Aufschub. Aber wie sollen wir später Mietschulden zurückzahlen, wenn wir uns die Miete schon jetzt kaum leisten können? Und wenn die Regierung selbst diesen unzureichenden Kündigungs-Aufschub nicht verlängert, drohen ab Herbst erneut Zwangsräumungen und eine Verdrängungswelle.

Statt den Vermieter*innen ihre Einnahmen und Gewinne abzusichern, müssen wir die Notbremse ziehen, damit die Mietenkrise nicht zu einer sozialen Katastrophe eskaliert. Dabei geht es nicht nur um unser Wohnen, sondern auch um unsere Läden, Kneipen, Kulturorte und sozialen Zentren, die schon jetzt um ihre Existenz fürchten. Deshalb fordern wir:

1) Mietschuldenerlass bei Wohnraum und Kleingewerbe!
2) Mieten senken, Gewinne umverteilen und Wohnungskonzerne vergesellschaften!
3) Wohnungen für alle!
Wohnungslose und Geflüchtete in Wohnungen unterbringen!
Zwangsräumungen, Versorgungssperren und Kündigungen verhindern!

Wir müssen Druck machen für eine soziale Krisenlösung und gegen die fortgesetzte Umverteilung von unten nach oben! Für die genannten Forderungen gehen heute zahlreiche Organisationen und Initiativen bundesweit auf die Straße und beteiligen sich mit Kundgebungen und kreativen Aktionen. Der Putzi-Spendenlauf ist ein Teil dieser Aktivitäten.

Der Spendenlauf macht heute darauf aufmerksam was wichtig ist und fehlt: Das PUTZI. Denn in Dresden mangelt es an Wohnraum, an selbstverwalteten Räumen, unkommerziellen Projekten und Raum für solidarische Praxis. Aus Spekulationsgründen stehen Häuser leer und verfallen und sind trotzdem Teil des Marktes rund um das BETONGOLD. Häuser zu besetzen als politische Form ist daher legitim und notwendig!

Obdachlose und Wohnungslose haben gar keine Wahl. Wer nicht wohnt, muss besetzen. Tag um Tag! Aus purer Notwendigkeit für ein Dach über dem Kopf. Obdachlose und Wohnungslose müssen Nacht um Nacht, wenn Sie nicht auf der grünen Wiese nächtigen wollen, eine Ruine, eine Garage, eine Gartenhütte für die Nacht nutzen, also besetzen. Auch sie laufen Gefahr wegen Hausfriedensbruches eine Anzeige zu erhalten. So erging es einer Gruppe von Dresdner Obdachlosen, die sich in einem Areal eine praktische und für die Situation komfortable Wohnsituation in leerstehenden Garagen gebaut hatte.

Was soll das für ein Hausfriedensbruch sein? Der Hausfrieden einer leerstehenden Garage wurde gebrochen? Die Kriminalisierung von armen Menschen muss aufhören! Wohnungs- und obdachlose müssen mit Wohnungen versorgt werden, HOUSING FIRST!

Nicht verwahren sondern leben!

Es braucht selbstverwaltete Häuser für Obdachlose, Schnorrer und Bettler. Und im Angesicht der sich verschärfenden Mietenkrise einen Räumungsstopp für Mieter*innen mit Schulden!

In den letzten zwei Monaten sind zwei Freunde und Genossen die obdachlos lebten gestorben. Nicht an Corona, aber an einer Gesellschaft, in der Wohnen und Gesundheit Geld kostet.

Wir trauern um den langjährigen Genossen und Aktivisten WERNER – regelmäßiger Gast vieler Veranstaltungen, Diskutant, Radiomacher und treue Seele.
Außerdem um MILAN. Einen Rom aus der Slowakei, der hier von Kleinkunst und Betteln leben musste und eigentlich nur ein zuhause suchte.

REST IN PEACE and POWER!

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